Kapitel 8: Die Zeitenwende

Für wenigstens weitere hundert Jahre müssen wir uns selbst und andere darauf verpflichten, dass Betrügen fair ist und Fairness Betrug, denn Betrug ist nützlich und Fairness ist es nicht. Gier, Wucher und Si­cher­heitsstreben müssen noch für ein wenig länger unsere Götter sein.

(John Maynard Keynes, 1931)

8.1 Geld – Seine Geschichte und sein Zauber

Wenn nun der wirtschaftliche Zusammenbruch in die nächste Phase übergeht, beginnen wir die Unwirklichkeit von vielem zu erkennen, das wir für real hielten. Die Wahrheiten von zwei Generationen werden unsicher, und trotz einer bleibenden Hoffnung, dass die Rückkehr zur Normalität gleich ums Ecke liegt (“Mitte 2012” oder “langsamer als erwartet”) dämmert die Erkenntnis, dass der Normalzustand nie mehr zurückkommen wird.

Wenn wir mit einer plötzlichen Änderung unserer eigenen Wirklichkeit konfrontiert sind, sei es der Tod eines geliebten Menschen, oder dass die Gestapo in der Stadt auftaucht, wollen wir das meist zuerst nicht wahrhaben. Meine erste Reaktion auf eine Tragödie ist gewöhnlich: “Ich kann nicht glauben, dass das jetzt passiert!” Ich war damals also nicht überrascht, dass unsere politischen und wirtschaftlichen Herrscher die auf uns zukommende Krise sehr lange verleugneten. Hier einige Zitate aus dem Jahr 2007: „Die ökonomischen Fundamente des Landes sind solide,” sagte George W. Bush. „Ich sehe nicht, dass die Schwierigkeiten auf den Subprime-Hypothekenmärkten ein ernsthaftes Problem darstellen. Ich denke das Risiko bleibt weitgehend begrenzt,” sagte der Finanzminister Henry Paulson. „Eine Rezession ist unwahrscheinlich.” „Wir erleben zur Zeit eine Korrektur auf dem Immobiliensektor.” „Amerika ist nicht in einer Rezession.” „Wahrscheinlich werden sich die Immobilienpreise nicht vor 2009 erholen.”

Auch heute “prognostizieren” die Obrigkeiten ein Wirtschaftswachstum von 5% für die Zeit von 2010 bis 2015 (in Wirklichkeit versuchen sie, dieses ins Dasein zu reden).1 Selbstverständlich waren viele dieser Ankündigungen unaufrichtige Versuche, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Die Verantwortlichen hofften, die Wirklichkeit kontrollieren zu können, indem sie die öffentliche Wahrnehmung lenkten – dass sie also durch die Beeinflussung von Symbolen, die die Wirklichkeit darstellten, die Wirklichkeit beeinflussen könnten. Das nennen Anthropologen “magisch-religiöses Denken”. Unsere Finanzeliten werden nicht grundlos eine Priesterschaft genannt. Indem sie zeremonielle Gewänder anlegen, eine geheimnisvolle Sprache sprechen und mysteriöse Eintragungen vornehmen, können sie mit einem einzigen Wort oder einem einzigen Federstrich bewirken, dass sich die Geschicke von ganzen Nationen zum Guten oder zum Schlechten wenden.

Sie sehen, magisch-religiöses Denken funktioniert normalerweise. Sei es ein schamanischer Ritus, die Unterzeichnung einer Bewilligungsvorlage oder die Buchung eines Kontoguthabens – wenn ein Ritual in eine Geschichte eingebettet ist, an die die Menschen glauben, dann handeln sie auch entsprechend, spielen die Rollen, die ihnen diese Geschichte zuschreibt, und reagieren auf die Wirklichkeit, die die Geschichte erschaffen hat. Wenn in früheren Zeiten ein schamanischer Ritus fehlschlug, wusste jeder, dass das ein Vorfall von großer Tragweite war. Er deutete das Ende der Welt an, kündete von einer Veränderung dessen, was wahr und was nicht wahr ist, vom Ende einer Geschichte der Menschen und vielleicht vom Beginn einer neuen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet stellt sich die Frage: Was bedeuten die immer öfter fehlschlagenden Rituale der Finanzwelt?

Manche machten sich über primitive Höhlenbewohner lustig, die sich vorstellten, dass ihre Tierdarstellungen an den Höhlenwänden ihre Beute magisch beeinflussen konnten. Aber heute erschaffen wir unsere eigenen Talismane, unsere eigenen Systeme magischer Symbologie, und beeinflussen durch sie tatsächlich unsere Wirklichkeit. Ein paar Nummern ändern sich hier und da, und tausende Arbeiter bauen ein Hochhaus. Einige andere Nummern ändern sich, und ein altehrwürdiges Unternehmen schließt seine Pforten für immer. Die Auslandsschulden eines Landes der Dritten Welt – wieder nur eine Zahl im Computer – liefern seine Bürger der endlosen Sklaverei aus. Sie müssen Handelswaren produzieren, die ins Ausland verschifft werden. Studierende verleugnen angstvoll ihre Träume und hetzen in die Erwerbsarbeit, um ihre Studienkredite abzubezahlen, ihr Wille ist einem Blatt Papier mit magischen Symbolen (“Kontoauszug”) unterworfen, das ihnen einmal pro Mond zugesandt wird wie ein magischer Gegenstand in einem Voodoo Ritual.2 Diese Papierstückchen, die wir Geld nennen, diese elektronischen Blips, bergen tatsächlich eine mächtige Magie in sich!

Wie funktioniert Magie? Rituale und Talismane bestärken und verfestigen die kollektiven Geschichten, deren Teil wir sind; Geschichten, die unsere Wirklichkeit formen, unsere Arbeit koordinieren, und unser Leben strukturieren. Nur in Ausnahmesituationen hören sie auf zu wirken: wenn die Geschichte der Menschen zerfällt. Wir befinden uns jetzt am Beginn einer solchen Zeit. Die wirtschaftlichen Maßnahmen, die seit 2008 getroffen wurden, um die Krise zu begrenzen, wirkten nur eine Zeit lang. Sie reichen nicht tief genug. Die einzige Reform, die überhaupt wirken kann, muss eine sein, die eine neue Geschichte der Menschen erzählt, bekräftigt und festigt. Um zu sehen, wie eine solche Geschichte klingen könnte, lassen Sie uns uns hinuntergraben und die Schichten der gescheiterten Realitäten und ihren jeweiligen Bezug zum Geld abtragen.

Als sich die erste Antwort der Regierung auf die Krise 2008 – Verleugnung – als wirkungslos erwies, versuchte es die Federal Reserve mit einer anderen Art von Wahrnehmungslenkung. Sie griff auf ihr Arsenal von mystischen Beschwörungen zurück, indem sie signalisierte, die Regierung würde es nicht zulassen, dass größere Finanzinstitutionen wie Fannie Mae in Konkurs gehen. Sie hoffte, dass diese Zusage ausreichen würde, um das Vertrauen in die Vermögenswerte, die von der durchgehenden Zahlungsfähigkeit und vom Erfolg dieser Firmen abhingen, aufrechtzuerhalten. Es hätte funktioniert, wäre nicht die Geschichte, auf die sich diese symbolischen Maßnahmen stützten, vorher schon gebrochen gewesen. Aber sie war es. Im Besonderen bestand der Bruch in dieser Geschichte darin, dass sie hypothekarisch gesicherten Wertpapieren und anderen Derivaten einen Wert zuschrieb. Die Kredite, auf denen jene basierten, konnten aber nicht zurückgezahlt werden. Im Gegensatz zu Kamelen oder Scheffeln Getreide haben diese Wertpapiere – wie alle modernen Währungen – nur deswegen einen Wert, weil Menschen daran glauben, dass sie einen haben. Das ist kein alleinstehender Glaubenssatz, sondern er ist untrennbar mit unzähligen anderen Glaubenssätzen, Konventionen, Gewohnheiten, Übereinkünften und Ritualen verbunden.

Im nächsten Schritt wurden massive Summen an Bargeld in die scheiternden Finanzinstitutionen gepumpt; entweder im Austausch gegen Firmenkapital (also Verstaatlichungen, wie im Fall von Fannie Mae, Freddie Mac und AIG), oder für eigentlich überhaupt gar nichts, wie beim TARP Programm3. Dabei bürgte das Finanzministerium für toxische Papiere von Banken oder kaufte sie in der Hoffnung auf, dass sich dadurch deren Bilanzen verbessern würden, sodass sie wieder mit der Kreditvergabe beginnen und somit die Kreditblase weiter aufpumpen könnten. Es funktionierte nicht. Die Banken behielten das Geld selbst (bis auf das, was sie als Boni an ihre eigenen Manager zahlten) als Absicherung gegen ihre Belastung mit zahllosen weiteren schlechten Papieren, oder sie verwendeten es, um kleinere, gesündere Banken aufzukaufen. Sie dachten nicht daran, in Zeiten der Rezession mehr Geld an Konsumenten, die schon am Limit waren, oder an Unternehmen mit zu viel Fremdkapital zu verleihen. Die Immobilienwerte fielen weiterhin, die Kreditausfallsraten stiegen weiterhin, und das ganze auf ihnen errichtete Gebäude aus derivativen Vermögenswerten zerbröselte zusehends. Der Konsum und die Wirtschaftstätigkeit sackten in den Keller, die Arbeitslosigkeit schoss in den Himmel, und die Menschen in Europa begannen, auf den Straßen wütend zu protestieren. Und warum? Nur weil sich irgendwelche Zahlen in irgendwelchen Computern geändert hatten. Das ist wirklich erstaunlich. Es ergibt nur dann einen Sinn, wenn man diese Zahlen als Talismane sieht, die für Übereinkünfte stehen. Ein Zulieferer gräbt Diamanten aus der Erde und schickt sie an eine Fabrik – im Austausch wofür? Für ein paar Papierstückchen, oder wahrscheinlicher, für ein paar Bits, die in einem Computer umspringen, was nur mit der Erlaubnis einer Bank geschehen kann (das ” schafft Vertrauen”4) .

Bevor wir uns zu sehr darüber aufregen, dass Billionen über Billionen Dollars einfach an die Reichen verteilt werden, kommen wir zurück auf den Boden der Realität, zum Geld. Was passiert denn eigentlich mit dem Geld, das hier verschenkt wird? Beinahe gar nichts passiert. Es verändern sich Bits in Computern, und ein paar Menschen, die sich darauf verstehen, diese Bits zu interpretieren, verkünden, dass das Geld transferiert wurde. Diese Bits sind die symbolische Darstellung einer Übereinkunft in einer Geschichte. Die Geschichte beschreibt, wer reich und wer arm ist, wer besitzt und wer schuldet. Man sagt, dass noch unsere Kinder und Enkel die Schulden für die Rettungsaktionen und Konjunkturprogramme bezahlen werden, aber man könnte sie auch einfach als nichtexistent erklären. Sie sind nur so real wie die Geschichte, auf die wir uns geeinigt haben, und deren Teil sie sind. Unsere Enkel werden sie nur dann zurückzahlen, wenn die Geschichte, also der Bedeutungszusammenhang, innerhalb dessen diese Schulden existieren, dann immer noch gilt. Aber ich denke, immer mehr Menschen ahnen, dass die Staatsschulden, die U.S. Auslandsschulden und eine Menge unserer privaten Hypotheken und Kreditkartenschulden niemals zurückgezahlt werden.

Wir glauben, dass sich diese Wall Street Magnaten mit Milliarden aus dem Staub gemacht haben, aber was sind diese Milliarden? Sie sind auch nur Zahlen im Computer und könnten theoretisch durch einen Erlass gelöscht werden. Das könnte auch mit dem Geld geschehen, das Amerika China schuldet oder das die Länder der Dritten Welt den Banken schulden. Es könnte einfach durch eine Erklärung zum Verschwinden gebracht werden. Wir können diese massive Geldvergabe im Rahmen der verschiedenen finanziellen Rettungsprogramme als eine weitere Ausübung von Wahrnehmungslenkung sehen, aber diesmal wäre es eine unbewusste Ausübung. Diese Ausschüttungen sind rituelle Akte, mit deren Hilfe eine Geschichte, eine Matrix aus Übereinkünften und den damit verbundenen menschlichen Handlungen, fortgeschrieben werden soll. Sie sind ein Versuch, die magische Kraft der Voodoopuppen aufrecht zu erhalten, die die Studentin auf dem Karriereweg halten und den Mann mittleren Alters zum Sklaven seiner Hypothek machen: jene Kraft, die wenigen die sprichwörtliche Macht verleiht, Berge zu versetzen, während sie die meisten in Ketten hält.

A propos China: Es ist aufschlussreich, sich einmal die materielle Wirklichkeit anzusehen, die dem Handelsungleichgewicht zugrunde liegt. China schickt uns riesige Mengen an Zeug (Kleidung, Spielzeug, Elektrogeräte, praktisch alles, was bei Wal-Mart zu haben ist), und wir ändern im Gegenzug einige Bits im Computer. Inzwischen arbeiten chinesische Lohnarbeiter so hart wie wir, aber ihr Gehalt ist viel niedriger. In den alten Zeiten, als die Imperien auch noch so hießen, hätte man China einen “Vasallenstaat” genannt, und das Zeug, das es uns schickt, wäre “Tribut” genannt worden.5 Aber auch China wird alles daran setzen, die jetzige Geschichte vom Geld aufrechtzuerhalten – aus dem selben Grund wie wir: Seine Eliten profitieren davon. Es ist wie im Alten Rom. Die Eliten der Reichshauptstadt und der Provinzen florieren aufgrund der wachsenden Misere des Volkes. Um sie zu besänftigen, sie fügsam und dumm zu halten, versorgt man die Massen mit Brot und Spielen: billiges Essen, billiger Nervenkitzel, Klatschspalten und Bundesliga.

Ob wir ihr Ende festsetzen, oder ob sie von selbst endet, die Geschichte vom Geld wird vieles mit sich reißen. Daher werden die Vereinigten Staaten nicht einfach ihre Schuldenverpflichtungen nicht einhalten. Täten sie das, dann würde auch die Geschichte enden, in der uns der Mittlere Osten mit Öl versorgt, Japan mit Elektrogeräten, Indien mit Textilien und China mit Plastik. Unglücklicherweise oder eigentlich glücklicherweise kann diese Geschichte nicht für immer aufrechterhalten werden. Der Grund dafür ist, dass sie nur dann aufrechterhalten werden kann, wenn weiterhin die Schulden in einer begrenzten Welt exponentiell wachsen.

Wenn Geld verdampft, wie es das im gegenwärtigen Kreislauf der Schuldendeflation tut, ändert sich in der materiellen Welt erst einmal wenig. Stapel von Geldscheinen gehen nicht in Flammen auf, Fabriken explodieren nicht, Maschinen halten nicht knirschend an, Ölquellen trocknen nicht plötzlich aus, und die wirtschaftliche Geschicklichkeit der Menschen verschwindet nicht einfach so. Alles Material, alle Fähigkeiten, die in einer Ökonomie ausgetauscht werden, von denen unsere Nahrung, unser Dach über dem Kopf, unser Transport, unsere Unterhaltung etc. abhängt, existieren weiterhin wie zuvor. Was verschwindet, ist das Mittel, das unser Handeln koordiniert und gemeinsame Leistungen bündelt. Wir können uns immer noch einen neuen Flughafen vorstellen, aber wir können ihn nicht mehr bauen. Der magische Talisman, durch den die Erklärung “Ein Flughafen soll hier gebaut werden” sich zu einer materiellen Wirklichkeit kristallisiert, hat seine Macht verloren. Unsere Hände, unser Wissen, und unsere Maschinen behalten weiterhin ihre Fähigkeiten, aber wir können das nicht mehr tun, was wir einst tun konnten. Das Einzige, was sich verändert hat, ist unsere Sichtweise.

Wir können daher die Rettungsaktionen, quantitative Lockerung und andere finanzpolitische Maßnahmen für die Rettung der Wirtschaft als weitere Ausübungen von Wahrnehmungslenkung sehen, aber auf einer tieferen, weniger bewussten Ebene. Denn was ist Geld schon? Geld ist einfach eine soziale Übereinkunft, eine Geschichte, die Bedeutungen und Rollen zuschreibt. Die klassische Definition von Geld – ein Tauschmittel, ein Wertaufbewahrungsmittel, eine Rechnungseinheit – beschreibt, was Geld tut, aber nicht was es ist. Materiell betrachtet ist es jetzt fast gar nichts mehr. Gesellschaftlich betrachtet ist es fast alles: das Mittel schlechthin, das unserer Aktivitäten koordiniert und kollektive menschliche Absichten bündelt.

Es macht fast keinen Unterschied, ob die Regierung erst Worte oder jetzt Billionen von Dollars einsetzt. Beides ist nichts anderes als die Manipulation verschiedener Symbolsysteme, und beide versagten aus dem selben Grund: die Geschichte, die sie fortzuführen versuchen, ist gelaufen. Die Normalität, die wir für normal hielten, war nicht aufrechtzuerhalten.

Sie war auf zwei Ebenen nicht haltbar: die erste Ebene dieser „Normalität“ ist die Schuldenpyramide, das exponentielle Wachstum von Geld, das unvermeidbar die reale Ökonomie überflügelt. Die Lösung auf dieser Ebene ist, was linke Ökonomen (die sich selbst meist als Keynesianer bezeichnen) vorschlagen: Umverteilung des Reichtums, steuerliche Anreize, Stundung von Schulden und so weiter. Sie hoffen, dass sie damit das Wirtschaftswachstum – die zweite Ebene der “Normalität”, die an ein Ende gelangt ist – wieder anfachen können.

8.2 Die Initiation der Menschheit

Die Geschichte, die in unserer Zeit zu Ende geht, ist viel mehr als die Geschichte vom Geld. Ich nenne sie die Geschichte vom Aufstieg der Menschheit. Sie handelt vom endlosen Wachstum, und unser heutiges Geldsystem ist eine Manifestation dieser Geschichte: Es ermöglicht und forciert die Umwandlung der natürlichen Sphäre in den Machtbereich der Menschen. Das begann vor Jahrtausenden, als die Menschen zum ersten Mal das Feuer zähmten und Werkzeuge machten. Sie beschleunigte sich, als wir diese Werkzeuge verwendeten, um Tiere und Pflanzen zu domestizieren, und die Wildnis eroberten, um uns die Welt zu eigen zu machen. Sie erreichte ihren strahlenden Höhepunkt im Zeitalter der Maschine, als wir eine vollkommen künstliche Welt schufen, uns alle Kräfte der Natur zunutze machten, und uns als ihre Beherrscher und Eigentümer wähnten. Und jetzt, wo sie sich ihrem Ende nähert, dämmert uns die unerbittliche Erkenntnis, dass diese Geschichte nicht die Wahrheit ist. Auch wenn wir uns so gebärdeten – die Welt gehört uns gar nicht; auch wenn wir uns das vormachten – wir haben nicht die Kontrolle über sie. Nun, da sich die unbeabsichtigten Folgen der Technologie häufen, da sich unsere Gemeinschaften, unsere Gesundheit und die ökologische Grundlage unserer Zivilisation verschlechtern, jetzt, wo wir ungeahnte Tiefen von Leid, Gewalt und Entfremdung durchwandern, nähern wir uns dem letzten Teil der Geschichte: Krise, Höhepunkt und Auflösung. Die Rituale unserer Geschichtenerzähler wirken nicht mehr. Keine Geschichte kann über ihr Ende hinausgehen.

So wie das Leben nicht mit der Pubertät endet, ist auch die Entwicklung einer Gesellschaft nicht mit dem Ende ihrer Wachstumsphase abgeschlossen. Wir sind mitten im Übergang, der dem Übergang eines Jugendlichen zum Erwachsenen gleicht. Das körperliche Wachstum ist abgeschlossen, und die Lebenskräfte richten sich nach innen, um das Wachstum in anderen Bereichen zu ermöglichen.

Zwei Schlüsselentwicklungen markieren den Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenalter, sowohl beim Individuum als auch bei einer Art. Erstens verlieben wir uns, und diese Liebesbeziehung unterscheidet sich von jener zwischen Mutter und Kind. In einer kindlichen Liebesbeziehung geht es primär um das Empfangen. Ich gebe meinen Kindern gerne so viel ich kann, und sie sollen es ohne Einschränkung erhalten. Es ist richtig, dass ein Kind alles tut um zu wachsen, sowohl körperlich als auch geistig. Gute Eltern stellen die Ressourcen für dieses Wachstum zur Verfügung, wie es unsere Mutter Erde für uns getan hat.

Bis jetzt waren wir Menschen wie Kinder in der Beziehung zur Erde. Es begann im Schoß der Erde, als wir in unserer Jäger- und Sammlerexistenz nicht zwischen Mensch und Natur unterschieden, sondern in sie eingebettet waren. Ein Neugeborenes kann kaum zwischen sich und der Welt unterscheiden. Es braucht Zeit, um eine Identität und ein Selbstgefühl zu entwickeln und zu lernen, dass die Welt kein Körperteil von ihm ist. So war das auch für die Menschheit. Während der Jäger und Sammler keine Vorstellung von einer getrennten “Natur” hatte, die sich vom “Menschlichen” unterschied, lernten die Menschen, die Ackerbau und Viehzucht betrieben, die Natur als eine getrennte Kategorie zu begreifen – hing doch ihr Wohlergehen davon ab, dass sie die Natur zum Objekt machten und manipulierten. In den agrarischen Zivilisationen, während ihrer „Kindheit“, entwickelte die Menschheit eine eigenständige Identität und wurde groß. Unser pubertärer Wachstumsschub erfolgte im Industriezeitalter. Und auf geistiger Ebene erreichten wir durch die objektivierende Wissenschaft einen Zustand der äußersten Getrenntheit, entwickelten ein voll ausgeprägtes Selbstgefühl mit der Hyperrationalität des Teenagers. Dieser schließt die letzte Phase der kognitiven Entwicklung ab, das formal-operationale Denken, das ihn dazu befähigt, abstrakte Inhalte zu verarbeiten – wie auch die Menschheit, als sie in das Zeitalter der Wissenschaft eintrat. Aber wie das äußerste Yang die Geburt des Yin beinhaltet, so trägt das äußerste Stadium der Getrenntheit in sich schon den Samen für das, was als nächstes kommt: die Wiedervereinigung.

In der Jugendzeit verlieben wir uns, und unsere Welt voll Vernunft und Egoismus fällt auseinander, wenn sich das Selbst ausweitet, um den geliebten Menschen mit einzuschließen. Eine neue Art von Liebesbeziehung entsteht: Es geht nicht mehr nur ums Nehmen, sondern auch ums Geben, um das gemeinsame Gestalten. Erst völlig vereinzelt und getrennt vom Anderen können wir uns in das Andere verlieben und eine Wiedervereinigung erleben, die größer als die ursprüngliche Einheit ist, weil sie in sich den ganzen Weg durch die Getrenntheit birgt.

Das erste massenhafte Erwachen zu diesem neuen, liebenden Bewusstsein geschah in den 1960ern mit der Geburtsstunde der Umweltbewegung. Am Extrem unserer Getrenntheit, als wir triumphierend die von uns scheinbar unterworfene Natur überblickten, begannen wir festzustellen, wie viel sie uns gegeben hatte. Wir begannen, ihre Schmerzen, ihre Wunden zu sehen, und in uns keimte der Wunsch, von der Erde nicht nur zu nehmen, sondern ihr auch etwas zu geben, sie zu beschützen und zu hegen. Dieser Wunsch war nicht von einer Existenzangst getragen (die kam später) sondern von Liebe. Wir verliebten uns in die Erde. In diesem Jahrzehnt übertrugen Satelliten aus dem All die ersten Bilder von der Erde, und die Schönheit dieses Planeten verwandelte uns. Die Erde von außen zu sehen war der vorletzte Schritt in die Getrenntheit von der Natur, der letzte Schritt war das Aufsteigen der Astronauten, die die Natur physisch hinter sich ließen. Und auch sie verliebten sich in die Erde. Hier die Worte des Astronauten Rusty Schweickart:

Vom Mond aus ist die Erde so klein und so fragil, solch ein kostbarer kleiner Fleck im Universum, den man einfach mit dem Daumen verdecken kann. Und dann wird dir bewusst, dass auf diesem kleinen Fleck, dem kleinen weiß-blauen Ding, alles ist, was dir etwas bedeutet – alle Geschichte und Musik und Poesie und Kunst und Tod und Geburt und Liebe, Tränen, Freude, Spiele, all das gerade da auf diesem kleinen Fleck, den du mit deinem Daumen verdecken kannst. Und dir wird bewusst, dass diese Perspektive dich ab jetzt für immer verändert hat, dass da nun etwas Neues ist. Diese Beziehung ist nicht länger, was sie einmal war.“

Das zweite Kennzeichen des Erwachsenwerdens ist eine Initiation. In alten Stammeskulturen gab es verschiedene Zeremonien und Prüfungen für den Übergang zum Erwachsenenleben, in denen bewusst die kleinere Identität durch Isolation, Schmerzen, Fasten, psychedelische Pflanzen oder andere Methoden zunichte gemacht und dann neu gebildet und in eine größere, transpersonale Identität eingebettet wurde. Wir suchen intuitiv diese Prüfungen, indem wir Alkohol trinken, Drogen nehmen, oder uns in Studentenverbindungen oder beim Militär bestimmten Initiationsritualen unterziehen. Trotzdem haben heutige Männer und Frauen nur Teilerfahrungen von einem solchen Prozess. So verharren wir in einem Zustand immerwährender Jugend, der nur dann endet, wenn das Schicksal zuschlägt und unsere kindliche Welt zerbricht. Dann können wir in ein größeres Selbst übergehen, in dem das Geben genauso selbstverständlich ist wie das Nehmen. Wenn ein Mann oder eine Frau diesen Übergang zum Erwachsensein vollzogen haben, ergreifen sie ganz Besitz von ihren Gaben und wollen als vollwertiges Stammesmitglied zum Allgemeinwohl beitragen.

Die Menschheit geht gerade durch diese Initiation. Die vielfachen Krisen, die über uns hereinbrechen, sind eine Prüfung, die unsere Identität in Frage stellt. Wir wissen nicht einmal sicher, ob wir sie überleben werden. Sie fordert ungeahnte Fähigkeiten und zwingt uns, eine andere Art von Beziehung zur Welt zu finden. Die Verzweiflung, die sensible Menschen angesichts der Krise überkommt, ist Teil dieser Prüfung.6 Wie ein initiiertes Stammesmitglied werden wir uns als Menschheit – sofern wir die Probe überstehen – der Gemeinschaft aller Lebewesen anschließen und ein vollwertiges Mitglied im “Stamm des Lebens” sein. Mit unseren einzigartigen Fähigkeiten, der Technologie und der Kultur, werden wir zum Wohle aller beitragen.

Im Kindesalter der Menschheit war ein Geldsystem, das Wachstum verlangte und unser unersättliches Nehmen von der Erde vorantrieb, vielleicht angebracht. Es war ein integraler Bestandteil der Geschichte vom Aufstieg. Heute wird es rasch obsolet. Es verträgt sich nicht mit unserer erwachsenen Liebe, mit einer ko-kreativen Partnerschaft und mit dem Reifungsschritt, der mit dem Erwachsenwerden kommt und uns in den Rang der Gebenden versetzt. Das ist der tiefere Grund, warum keine finanzielle oder wirtschaftliche Reform jemals funktionieren kann, die nicht auch eine neue Art von Geld umfasst. Das neue Geld muss eine neue Geschichte manifestieren, eine, in der die Natur nicht nur Mutter, sondern auch Geliebte ist. Wir werden lange Zeit immer noch Geld brauchen, weil wir auf magische Symbole angewiesen sind, um unsere Geschichte der Menschheit Wirklichkeit werden zu lassen. Symbole sind unsere kreative Vorlage, die wir auf unsere materielle Welt anwenden. Die Grundeigenschaften von Geld werden sich nicht ändern: Es wird weiterhin aus magischen physischen oder elektronischen Talismanen bestehen, über die wir Rollen zuschreiben, Absichten fokussieren und unser menschliches Tun koordinieren.

Der nächste Teil dieses Buches wird ein solches Geldsystem und die damit einhergehende Wirtschaft und Psychologie beschreiben. Es gibt auch eine persönliche (manche werden sagen: eine spirituelle) Dimension in dieser Metamorphose von Geschichten, in die wir eintreten. Das heutige Wuchergeld ist Teil einer Geschichte der Getrenntheit, in welcher “mehr für mich = weniger für dich” ist. Das ist die Quintessenz von Zinsen: Ich werde mein Geld nur mit Ihnen “teilen”, wenn ich dafür am Ende sogar noch mehr bekomme. Auch auf systemischer Ebene erzeugen Zinsen auf Geld Konkurrenz, Angst und die Polarisierung von Reichtum. Mittlerweile ist der Satz “mehr für mich ist weniger für dich” auch das Motto für unser Selbstverständnis und eine Binsenweisheit angesichts der Allgegenwart des eigenständigen und getrennten Selbst, das heute überall anzutreffen ist – in den Wirtschaftswissenschaften, in der Biologie und in der Philosophie.

Nur wenn unser Selbstverständnis auch die Anderen einschließt, durch Liebe, kann diese Binsenweisheit durch ihr Gegenteil ersetzt werden: “Mehr für dich ist auch mehr für mich.” Das ist die grundlegende Wahrheit in den authentischen spirituellen Weisheiten dieser Welt, von Jesus´ Goldener Regel – die missgedeutet wurde und heißen sollte: “Was du anderen getan hast, das hast du dir selbst getan” – bis zur Karma-Lehre der Buddhisten. Diese Lehren aber nur zu verstehen und ihnen zuzustimmen ist nicht genug. Viele von uns glauben das eine und leben das andere. Es braucht eine tatsächliche Transformation unserer Seinserfahrung, und solch eine Transformation kommt gewöhnlich sehr ähnlich zustande wie auch unsere kollektive Transformation, die gerade geschieht: durch einen Zusammenbruch der alten Geschichte vom Selbst und der Geschichte von der Welt, und das Entstehen einer neuen. Denn auch das Selbst ist letztlich eine Geschichte mit einem Beginn und einem Ende. Haben Sie jemals eine Erfahrung gemacht, nach der Sie kaum mehr gewusst haben, wer Sie sind?

Das reife Selbst in Verbundenheit, das überindividuelle Ich, das Selbst in Beziehung, findet ein Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen. In diesem Zustand gibt jedes (ein Mensch oder eine Spezies) nach seinen Fähigkeiten und – verbunden mit anderen in dem selben Geist – empfängt es entsprechend seinen Bedürfnissen.

Nicht zufällig habe ich gerade einen fundamentalen Grundsatz des Sozialismus paraphrasiert: “Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.” Das ist eine gute Beschreibung für jedes Geschenknetzwerk, sei es der menschliche Körper, ein Ökosystem oder die Schenkkultur eines Stammes. Wie ich darlegen werde, ist das auch eine gute Beschreibung einer heiligen Ökonomie. Ihre Währung trägt zu einer ganz anderen Geschichte der Menschheit, des Selbst und der Welt bei als das Wuchergeld. Sie ist zyklisch, nicht exponentiell und kehrt immer zu ihrem Ursprung zurück. Sie schützt und bereichert die Natur und beutet sie nicht aus; sie manifestiert Fülle, nicht Knappheit. Sie hat das Potential, die Dynamik des Schenkens, wie sie in primitiven Gesellschaften vorherrschte, auf globaler Ebene neu zu schaffen und dabei die menschlichen Gaben zur Geltung zu bringen und sie auf die planetarischen Bedürfnisse zu lenken.

Ich erinnere mich, dass ich als Teenager das Buch Atlas Shrugged von Ayn Rand las, dessen schwarz-weiß gezeichnete Charaktere, dessen Hyperrationalität und moralischer Absolutismus mich als Jugendlichen stark ansprachen. Das Buch ist ein Manifest des eigenständigen und getrennten Selbst, des gewinnsüchtigen Ego, und es reizt die Jugendlicher auch heute noch. Mit beißendem Spott wird in dem Buch der Satz “Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen” behandelt. Es wird das Bild einer Gesellschaft gezeichnet, in der jeder den anderen in seiner zur Schau gestellten Bedürftigkeit überbietet, um einen größeren Anteil der Ressourcen zugeteilt zu bekommen, während die Produzenten keinen Anreiz haben, zu produzieren. Dieses Szenario, das sich im Kommunistischen Block teilweise wirklich abspielte, ist Ausdruck einer Grundangst des von Knappheit konditionierten heutigen Selbst – was, wenn ich etwas gebe, aber nichts im Gegenzug dafür erhalte? Dieses Verlangen nach einer Sicherheit im Gegenzug, einer Kompensation für das Risiko der Großzügigkeit ist die grundsätzliche Geisteshaltung, die sich hinter Zinsen verbirgt – einer jugendlichen Geisteshaltung. Sie muss von einem umfassenderen Selbstverständnis abgelöst werden, das reif ist, sich als Teil der Gemeinschaft alles Seienden zu begreifen. Wir sind hier, um unsere Talente auszuleben. Das ist eine unserer tiefsten Sehnsüchte, andernfalls können wir gar nicht voll am Leben sein.

Die meisten Bedürfnisse wurden zu Geld gemacht, während immer weniger Arbeit benötigt wird, um diese monetarisierten Bedürfnisse zu erfüllen. Damit wir unser Potential voll entfalten können, muss sich diese frei gewordene Kreativität anderen Aufgaben zuwenden: den Bedürfnissen oder Zielen, die für das Geld der Getrenntheit schädlich sind. Denn zweifellos hat die Herrschaft des Geldes vieles Schöne zerstört und zerstört es weiterhin: im Grunde jedes öffentliche Gut, das nicht privatisiert werden kann. Hier einige Beispiele: ein nächtlicher Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung, eine Landschaft ohne Straßenlärm, eine pulsierende multikulturelle lokale städtische Wirtschaft, unverschmutzte Seen, Flüsse und Meere, die ökologische Grundlage der menschlichen Zivilisation. Viele von uns haben Gaben, mit denen sie für all dies einen Beitrag leisten könnten, aber keiner wird uns dafür bezahlen, weil Geld, wie wir wissen, letztlich auf der Privatisierung des Öffentlichen beruht. Das neue Geld wird das Gegenteil fördern und so den Konflikt zwischen unseren Idealen und der praktischen finanziellen Realität beenden.

Wuchergeld ist das Geld des Wachstums, und es war optimal für die Wachstumsphase der Menschheit auf Erden und für die Geschichte vom Aufstieg, von Dominanz und Beherrschung. Die nächste Phase ist die der ko-kreativen Partnerschaft mit der Erde. Die Geschichte der Menschheit für dieses neue Stadium entsteht gerade. Ihre Weber sind die Visionäre in Bereichen wie Permakultur, ganzheitlicher Medizin, erneuerbaren Energien, Mycoremediation, Regionalwährungen, Restorative Justice, Attachment Parenting und noch unzählige andere. Um den Schaden wieder gut zu machen, den das Zeitalter des Wuchers in der Natur, Kultur, Gesundheit und Spiritualität angerichtet hat, wird es alle Gaben brauchen, die uns zu Menschen machen. Die Aufgabe ist so unglaublich fordernd, dass sie diese Gaben auf eine neue Entwicklungsebene bringen wird.

Das mag hoffnungslos naiv, vage und idealistisch erscheinen. Ich habe manche dieser Überlegungen in Die Renaissance der Menschheit schon skizziert und werde sie detaillierter in der zweiten Hälfte dieses Buches ausarbeiten. Vorerst einmal, wägen Sie die rivalisierenden Stimmen Ihres Idealismus und Ihres Zynismus ab und fragen Sie sich selbst: “Kann ich es ertragen, mich mit weniger zufrieden zu geben?” Können Sie eine Welt von großer und weiter zunehmender Hässlichkeit akzeptieren? Können Sie es ertragen, daran zu glauben, dass das unvermeidlich ist? Sie können es nicht. Solch ein Glauben wird langsam aber sicher Ihre Seele töten. Der Geist mag den Zynismus, seinen Trost und seine Sicherheit, und er zögert, irgendetwas Außergewöhnliches zu glauben, aber das Herz drängt in die andere Richtung. Es drängt nach Schönheit, und nur, wenn wir auf seinen Ruf achten, können wir es wagen, eine neue Geschichte der Menschheit zu erschaffen.

Wir sind hier, um etwas Schönes zu erschaffen. Ich nenne es: „Die schönere Welt, von deren Möglichkeit unsere Herzen wissen”. Wenn diese Wahrheit immer tiefer einsinkt, und wenn die Konvergenz der Krisen uns aus der alten Welt herausdrängt, werden die Menschen diese Wahrheit immer mehr leben: die Wahrheit, dass mehr für dich nicht weniger für mich ist; die Wahrheit, dass ich, was ich dir antue, auch mir selbst antue; die Wahrheit eines Lebens, in dem man gibt, was man kann, und nimmt, was man braucht. Wir können damit sofort beginnen. Wir haben Angst, aber wenn wir den Schritt wirklich tun, wird die Welt unsere Bedürfnisse immer mehr erfüllen. Dann werden wir erkennen, dass die Geschichte der Getrenntheit – manifestiert im Geld, wie wir es kennen – nicht wahr ist und auch niemals wahr war. Aber die letzten zehntausend Jahre waren nicht vergeblich. Manchmal ist es nötig, eine Lüge bis zum Extrem zu leben, bevor wir bereit sind, den nächsten Schritt in die Wahrheit zu wagen. Die Lüge der Getrenntheit im Zeitalter des Wuchers ist jetzt vollkommen. Wir haben sie voll ausgekostet, ihre äußersten Extreme, und gesehen, was sie alles angerichtet hat: die Wüsten und Gefängnisse, die Konzentrationslager und die Kriege, die Verschwendung des Guten, Wahren und Schönen. Nun werden uns die Fähigkeiten, die wir auf dieser langen Reise des Aufstiegs entwickelt haben, gute Dienste im bevorstehenden Zeitalter der Wiedervereinigung leisten.

1 U.S. Finanzministerium, “Annual Report on the Public Debt,” Juni 2010.

2 Ich will damit nicht Voodoo Kulte verunglimpfen oder sie als Beispiel für primitiven Hokuspokus heranziehen. Ich will nicht einmal Hokuspokus schlecht machen. Sei es das moderne Finanzsystem oder ein Voodoo Ritual, symbolische Magie wirkt nach den gleichen Grundprinzipien. Unser modernes rituelles System unterscheidet sich nur wenig von einem traditionellen.

3 Anm.d.Ü.: Das Troubled Asset Relief Program (TARP) ist ein Programm, in dem die Regierung der Vereinigten Staaten Anteile an Finanzinstituten aufkauft, um den Finanzsektor zu stabilisieren. […] Es ist die größte der Maßnahmen, die die US-Regierung 2008 ergriffen hatte, um der Subprimekrise zu begegnen. Quelle: Wikipedia

4 Anm. d.Ü.: original: „provides credit“; engl. „credit“ bedeutet sowohl „Kredit“ als auch „Vertrauen“ oder auch „Glaube“, „Ansehen“, „Ehre“.

5 Manchmal verlagert sich die Macht zum Vasallen, wenn die hegemoniale Macht dekadent und in einem Ausmaß von den Importen abhängig wird, dass sie sich nicht mehr selbst versorgen kann. Es scheint, als würde das heute in der Beziehung zu China geschehen. Vielleicht spielt China nur eine Zeit lang den Vasallen, während es ein anderes Ziel verfolgt.

6 Eigentlich ist ja alles gut: Die Krise spielt eine evolutionäre Funktion. Aber lassen Sie das nicht Ihre Panik beschwichtigen. Alles ist gut, aber nur deswegen, weil wir wahrnehmen, dass alles furchtbar falsch läuft.

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